31.01.2008

Ausgabe 31.01.2008

 

 

Themenübersicht

Berichte und Nachrichten:
1. Indienreise 2008
2. Blind vor Wut - krank vor Ärger: Buddhismus und Gewalt
3. Aus der Tibethaus-Schreibwerkstatt

Programm:
4. Zur Jahreswende: Rituelle Reinigung des Tibethauses und "Guthuk"
5. Buddhistische Ansichten - eine kontemplative Ausstellung
6. Tibetisches Neujahr 2135 - das Jahr der Erdratte beginnt
7. "Wir sind eine Welt" Alles Sein bedingt sich gegenseitig
8. Lobpreis des abhängigen Entstehens Teil 1
9. Termine
10. Zitat der Woche

1. Indienreise 2008
    
Bericht von Inge Jansen


Ling Rinpoche und die Reisegruppe mit Gästen


Am 30. Dezember trafen sich acht Reiseteilnehmer auf dem Frankfurter Flughafen, um über Colombo nach Goa zu fliegen. Von Goa aus ging es direkt zum Kloster Drepung in Südindien. Geshe Nawang Tharchen holte uns mit zwei Jeeps vom Flughafen ab, und nach einer siebenstündigen Fahrt kamen wir im Nyagre Khangtsen von Drepung an, dem Haus der Dagyab-Mönche.
Nach einigen dringend benötigten Erholungstagen begannen die Unterweisungen S.H. des Dalai Lama am 3. Januar, zunächst in Gomang in einer älteren und relativ kleinen Versammlungshalle. Wir waren alle froh, in oder um die Halle herum Sitzplätze zwischen den vielen Laien-Tibetern oder den Mönchen zu ergattern. Die Tibeter waren oft mit ihren ganzen Familien gekommen und genossen die Tage wie ein Fest. Am 5. Januar fand diese Veranstaltung ihr Ende mit einer Einweihung in Palden Lhamo, der persönlichen weiblichen tantrischen Schutzgottheit S.H. des Dalai Lama.
Das eigentliche Großereignis begann am 7. Januar mit der feierlichen Einweihung und Segnung der neuen, sehr großen Versammlungshalle von Loseling, prachtvoll ausgestattet mit Brokatstoffen, Wandmalerein und Statuen. Hierzu fanden sich ca. 15 000 Mönche und Nonnen, 10 000 tibetische Laien und 500 "Westler" bzw. Besucher aus anderen asiatischen Staaten ein.
Nach dem Festakt am ersten Tag mit zahlreichen Redebeiträgen von Äbten, Politikern und Vertretern anderer religiöser Gemeinschaften begannen am 8. Januar die sechstägigen Unterweisungen Seiner Heiligkeit, ziemlich schwierig und anspruchsvoll. Glücklicherweise gab es einen ausgezeichneten Empfang der englischen Übersetzung übers Radio.
Bemerkenswert an dieser Veranstaltung war außerdem, dass unglaublich viele "Special Guests" , zu denen wir erfreulicherweise auch gehörten, an allen Tagen mit einem sehr schmackhaften und reichhaltigen Mittagessen versorgt wurden.
Neben anderen zahlreichen Highlights bleiben noch unsere zahlreichen Besuche bei verschiedenen Rinpoches hervorzuheben, z.B. Tokden Rinpoche, Khyongla Rinpoche und Ling Rinpoche (siehe Photo oben).
Nach einigen Sonne-, Strand- und Erholungstagen in Goa ging es nach insgesamt drei Wochen zurück nach Deutschland.

2. Blind vor Wut - krank vor Ärger: Buddhismus und Gewalt

"Was sagt der Buddha über Gewalt? Und was hat das mit mir zu tun?" Diese beiden Fragen waren Leitfaden des Seminars mit Alfred Weil am vergangenen Wochenende. Den Folgen von Gewalt, ihren Ursachen, Ausdruckformen und auch möglichen Alternativen gingen die Teilnehmer auf den Grund, geleitet durch Zitate aus dem Pali-Kanon, Erklärungen des Referenten, Gruppengespräche und Kontemplationen. So wurde deutlich, dass Gewalt auch dort aufblitzt, wo man sie erstmal gar nicht vermutet. Sie hat viele Formen und kann sehr subtil sein. Die Anwendung von Gewalt wurde unter anderem verglichen mit dem Werfen glühender Kohlen: Vielleicht trifft man denjenigen, den man treffen möchte - ganz sicher verbrennt man sich die eigene Hand. Genug Stoff zum Nachdenken also.

Zeiten | Anfänger 16.30 bis 18.30 Uhr | Fortgeschrittene 14 bis 16 Uhr

Kosten | Mitglieder 80 Euro | Nicht-Mitglieder 120 Euro für vier Doppelstunden

3. Aus der Tibethaus-Schreibwerkstatt

Neuerscheinung eines wichtigen tantrischen Kommentartextes: "Die Herzessenz der Dakinis der drei Bereiche. Ein tiefgründiger Trid-Kommentar zu den beiden Praxisstufen der Vajrayogini nach der Naropa-Tradition."
Der Meister, auf den dieser außergewöhnliche Text zurückgeht, ist Kyabje Phabongka Dechen Nyingpo. Er wurde von Losang Dorje, einem langjährigen Schüler Phabongka Rinpoches, zusammengestellt.
Übersetzt wurde der Kommentar von Dr. Cornelia Weishaar-Günter in Zusammenarbeit mit S.E. Loden Sherab Dagyab Rinpoche. Das wohl durchdachte Layout stammt wieder von Boris Unterer, der auch schon einige Sadhanas für uns gesetzt hat. In der Einleitung des Kommentars schreibt Dagyab Rinpoche: "Alles, was man hier lesen kann, ist für uns als direkte Erfahrungsunterweisung aus der Überlieferung sehr wichtig und nützlich."
Hier die genauen Angaben zum Buch: Phabongka Dechen Nyingpo: Die Herzessenz der Dakinis der Drei Bereiche. Nur mit Einweihung. 1. Auflage 2008, 264 Seiten, DIN A 4, Klebebindung, ISBN 978-3-931442-61-3, EUR 25,- / Sfr 42,50

Außerdem ist "Die Struktur des Lamrim" endlich wieder lieferbar! Dieses Arbeitsheft ist als Ergänzung zur allgemeinen Lamrim-Literatur gedacht. Es enthält neben der detaillierten Gliederung des "Stufenwegs zur Erleuchtung" einen Einführungsteil, in dem Herkunft, Zusammenhänge, Zweck und Funktion des Lamrim erklärt werden.
Details: Regine Leisner/Cornelia Weishaar-Günter: Die Struktur des Lamrim, 4. Auflage 2008, 32 Seiten, DIN-A4, geheftet, ISBN 978-3-931442-07-1, EUR 9,90 / Sfr 17,-

Beide Texte können im Tibethaus-Shop bestellt werden.

4.  Zur Jahreswende: Rituelle Reinigung des Tibethauses und "Guthuk", die tibetische Orakelsuppe
     Donnerstag, 7. Februar 2008

Am letzten Tag des alten tibetischen Jahres erfolgen in Tibet die gemeinsame (rituelle und konkrete) Reinigung des Hauses und das Aufhängen von neuen Gebetsfahnen. Anschließend wird die traditionelle Orakelsuppe, genannt "Guthuk" gegessen. "Gu" bedeutet auf Tibetisch neun und ist die Abkürzung für den 29. Tag des letzten Monats im alten Jahr, "thuk" ist die Abkürzung für Thukpa = Suppe. In der Suppe befinden sich Teigbällchen, in der verschiedene symbolträchtige Dinge wie Chili, Baumwolle, Kohle oder Holzstückchen versteckt sind.
Freudige Helfer für die Reinigung des Tibethauses, die anschließend mit einem Teller Orakelsuppe belohnt werden, sind herzlich willkommen. Um Anmeldung bis zum 5. Februar wird gebeten!
Zeit | 15 Uhr bis 21 Uhr
Kosten | frei

5. Buddhistische Ansichten - eine kontemplative Ausstellung
    
Freitag, 8. Februar 2008 | Vernissage | Dieter Glogowski und Albrecht Haag

Fernab im Norden des indischen Himalayas, liegt auf 4000 Meter Höhe das tibetisch-buddhistische Kloster Lingshed. Fünf lange Tagesmärsche auf alten Karawanenwegen benötigt der Besucher, um diese abgelegene Region Ladakhs und 500 Jahre alte Gelugpa Kloster zu erreichen. Tief beeindruckt von der menschlichen Wärme und dem spirituellen Geist der Mönche und Einwohner kehrten Dieter Glogowski und Albrecht Haag über Jahre an diesen kontemplativen Ort zurück.
Eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotos aus dieser mehr als zehnjährigen Arbeit werden nun im Tibethaus präsentiert. Mit der Ausstellung sollen soziale Projekte in der Region von Lingshed unterstützt werden. Zur Vernissage sind alle Freunde und Mitglieder herzlich eingeladen. Die Fotografen werden anwesend sein.
Zeit | 19.30 Uhr
Kosten | frei

6. Tibetisches Neujahr 2135 - das Jahr der Erdratte beginnt
    
Samstag, 9. und Sonntag, 10. Februar 2008 | Losar-Feier

Wir feiern zusammen mit den Tibetern aus dem Rhein-Main Gebiet. Im Lhakang wird der traditionelle, tibetische Neujahrsaltar aufgebaut sein. Wir werden Neujahrsrituale kennen lernen und eine kurze gemeinsame Puja durchführen. Danach gibt es ein Neujahrs-Buffet mit "Kapse", dem süßen Neujahrsgebäck; bei tibetischer Musik wird der Jahresbeginn gebührend gefeiert.
Bitte meldet Euch bis zum 5. Februar an!
Zeit | Samstag 19.30 Uhr + Sonntag 10 bis 15 Uhr
Kosten | 10 Euro    

7. "Wir sind eine Welt" Alles Sein bedingt sich gegenseitig
    
Freitag, 29. Februar 2008 | Öffentlicher Vortrag | S. E. Dagyab Rinpoche

Der Vortrag ist eine Einführung in das grundlegende buddhistische Konzept des "Abhängigen Entstehens", das sowohl auf der philosophischen als auf der lebenspraktischen Ebene von großer Bedeutung ist.
Zeit | 19.30 Uhr
Kosten | 9 Euro | ermäßigt 7 Euro

8. Lobpreis des abhängigen Entstehens - Teil 1
    Eine ausführliche Unterweisung über Leerheit
   
Samstag, 1. und Sonntag, 2. März 2008 | Seminar | S. E. Dagyab Rinpoche

Die Unterweisungen Rinpoches basieren auf dem Text "Lobpreis des abhängigen Entstehens", Tibetisch: tendrel töpa (rten-'brel bstod-pa) von Tsongkhapa, basieren. Der große tibetische Reformator Je Tsongkhapa (1357 - 1419) aus dessen Lehrdarlegung später die Gelug-Schulrichtung hervorging, verfasste 1398 diesen 58 Verse umfassenden Text als Ausdruck seiner Verwirklichungen von Leerheit. Dieser Verstext, der von seiner äußeren Form ein Lobpreis an Buddha Shakyamuni und den "mittleren Weg" ist, verkündet die Widerspruchsfreiheit von Leerheit (absoluter Wirklichkeit) und abhängigem Entstehen (relative Wirklichkeit).
Rinpoche wird nicht nur auf die philosophischen Aspekte eingehen, sondern vor allem auch die Praxisrelevanz dieses Themas für unseren Alltag hervorheben. Dieses Seminar ist sowohl für "Neulinge" gedacht als auch für diejenigen, die Interesse an der Vertiefung der buddhistischen Praxis haben.
Zeit | Samstag 10 bis 13 Uhr + 15 bis 18 Uhr | Sonntag 9.30 bis 13 Uhr |
Kosten | Mitglieder 45 Euro | Nicht-Mitglieder 75 Euro

6. Termine

  • 01.02.2008 | Geld - nur eine Illusion? Moderne Marktwirtschaft und Buddhistische Wirtschaftsethik | Öffentlicher Vortrag | Prof. Karl-Heinz Brodbeck |
  • 07.02.2008 | Zur Jahreswende: Rituelle Reinigung des Tibethauses und "Guthuk", die tibetische Orakelsuppe | Programmleitung | Elke Hessel |
  • 08.02.2008 | Buddhistische Ansichten - eine kontemplative Ausstellung | Vernissage | Dieter Glogowski und Albrecht Haag |
  • 09. und 10.02.2008 | Tibetisches Neujahr 2135 - das Jahr der Erdratte beginnt | Losar-Feier | Elke Hessel |
  • 18.02.2008 | Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn - MBSR |
    8-Wochen-Programm | Kursleitung | Simone Hensel |

10. Zitat der Woche

"Vom Standpunkt der absoluten Wahrheit gesehen, existiert nichts so, wie es erscheint. Die absolute Wahrheit enthält das Mysterium des Lebens. Man braucht beide Wahrheiten, um funktionieren zu können."

aus: "Leben ist Sterben, Sterben ist Leben" von Gelek Rinpoche