03.08.2009 [Sonder-Ausgabe]

Sonder-Ausgabe 03.08.2009


Sonder-Chömail anlässlich des Besuchs des Dalai Lama

 

Die Tibethausmitglieder warten auf die Audienz mit Seiner Heiligkeit

1. Am Samstag stand die Veranstaltung am Vormittag unter dem Vorzeichen von für uns alle (über-)lebenswichtigen Themen:

Globale Verantwortung, Wirtschaftsethik und Umweltbewusstsein als Lösung aus der aktuellen Wirtschaftskrise, der globalen Armut und dem globalen Klimawandel. Alle Podiumsdiskussionen wurden von Gert Scobel, dem bekannten Kultur- und Wissenschaftsjournalisten, sehr einfühlsam moderiert. So rief Prof. Latif dazu auf, sich nicht auf irgendwelchen Klimakonferenzbeschlüssen auszuruhen, sondern permanent und vehement zu fordern, dass konkrete Lösungen und Verbesserungen entwickelt und umgesetzt werden.

S.H. der Dalai Lama formulierte, dass uns alle das Menschsein und das Bedürfnis nach Glück eine.
Prof. Brodbeck ergänzte in seinen Ausführungen, dass uns heutzutage weltweit leider auch ein weiterer Faktor "eine", nämlich das Geld mit all den bekannten negativen Auswirkungen.

Am Nachmittag erörterten die geladenen Experten zusammen mit dem Dalai Lama das Thema "Hirnforschung und die Wirkung der Meditation auf unser Bewusstsein".

Mathieu Ricard führte uns überzeugend vor Augen, welches Potential wir in unserem Bewusstsein haben, dadurch, dass wir lernfähig sind und unsere Konditionierungen und geistigen Beengungen sprengen können. Es ist relativ einfach, den eigenen Geist fit und flexibel zu halten, wenn man regelmäßig meditiert. Wir verwenden oft viel Zeit, unseren Körper fit zu halten, warum nicht unseren Geist?

Ein weiteres großes Thema kreiste um den Begriff "Nutzung der Neuroplastizität des Gehirns". Diese wird vehement positiv beeinflusst durch optimale Erziehung und Bildung (so Prof. Hüther) und durch den Fokus auf Meditation und Mitgefühl. Letzteres - so belegen Untersuchungen - stärkt zusätzlich die Immunkräfte und das grundsätzliche Wohlgefühl. Das Denken an andere stärkt das eigene Selbstwertgefühl - das ist die ganz klare Erkenntnis.

2. Tibeter erhalten eine Audienz

Um 14.30 Uhr  - noch während der Podiumsdiskussion -  versammelten sich hunderte von traditionell gekleideten Tibetern mit vielen Kindern vor einem Seiteneingang der Arena, die für die Audienz mit seiner Heiligkeit registriert waren. Hinzu kamen einige wenige Gäste der Tibet-Unterstützergruppen in Deutschland. Alle wurden in einen großen unterirdischen Saal geführt, wo sie auf dem blanken Boden über eine Stunde auf Seine Heiligkeit geduldig warteten. Als er eintraf, sangen alle die tibetische Nationalhymne - ein berührender Moment. Der Dalai Lama forderte die deutschen Unterstützer ausdrücklich dazu auf, in Zukunft neben der bisherigen menschenrechtlichen und politischen Arbeit den Fokus auch auf die Förderung von Umweltprojekten zu legen.

3. Zuschauer rufen "Zugabe"!

Der "Abend für Tibet: 2 Songs for the Dalai Lama" mit vielen tausend begeisterten Gästen wurde ein großes musikalisches Fest.

Der Flötist Nawang Khechog ließ es sich nicht nehmen, den Wünschen der Zuschauer zu folgen und gab am Sonntag während der Mittagspause (s)eine längere Zugabe. 

Die viertägige Veranstaltung ging gestern zu Ende. An die 30.000 Menschen waren insgesamt gekommen.
Die große Zeltstadt mit vielen weißen Zelten und einem Riesenangebot an Tibetica, Informationsständen von Hilfsgruppen und einem vielfältigem Essensangebot wurden vom Publikum begeistert angenommen.

Das große Zelt des Tibethauses direkt vorne am Eingang war oft so überfüllt, dass kein Platz mehr war.

4. Danke!

Am Sonntag gab es am Ende der Veranstaltung vor der Bühne eine Abschiedszusammenkunft aller Volunteers  mit offizieller Danksagung durch S. H. den Dalai Lama. 

Wir danken S.H. dem Dalai Lama, allen anderen Referenten und Darstellern für ihr Kommen und ihre Mitwirkung. Wir danken den Organisatoren für ihre mehrjährige, teilweise nervenaufreibende Arbeit, um diese große Veranstaltung zu organisieren. Und wir danken allen Teilnehmern!!

S.H. wird morgen in Marburg in der Universität einen Ehrendoktortitel entgegennehmen und dann weiterreisen nach Lausanne zur nächsten Veranstaltung. Er ist so klar, scharfsinnig, humorvoll und kraftvoll, dass wir alle nur staunen und ihm den höchsten Respekt zollen können.

Wenn wir nur einen kleinen Teil dieser unglaublichen Energie besäßen, könnten wir uns glücklich schätzen.

Jedenfalls kehren wir inspiriert zurück in den Alltag.
     
Text: Elke Hessel, Foto: Tamara von Rechenberg