Lamrim - Stufen der inneren Entwicklung

Lamrim-Praxis bedeutet für mich, eine Grundstruktur in der Hand zu halten, mit der ich an meiner eigenen Biographie arbeiten kann.

S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche

Stufen der inneren Entwicklung

Dreijähriges Grundlagenstudium des Buddhismus

Teilnehmer im Gespräch

Dieses Studienprogramm stützt sich auf den sogenannten buddhistischen Stufenweg, tibetisch Lamrim. Diese aufeinander aufbauende Zusammenstellung aller wichtigen Lehren und Methoden des buddhistischen Pfades, die auf einen kurzen Text des indischen Meisters Atisha aus dem 11. Jahrhundert zurückgeht und in zahlreichen Abwandlungen zu finden ist, zeigt den roten Faden des buddhistischen Übungs- und Erkenntniswegs, von den anfänglichen ersten Gedanken über die Unbeständigkeit des Daseins bis hin zur völligen Entfaltung geistiger Fähigkeiten zum Wohle aller Wesen.

Im Tibethaus sind seit 2006 schon drei Durchgänge dieses grundlegenden Studienganges – mit teilweise über hundert Teilnehmern plus Fernstudenten - erfolgreich abgeschlossen worden.

Inhalte

Was für ein Leben habe ich? Was ist Glück und wie kann ich es erlangen? Wie gehe ich mit Verlust und Tod um? Warum gibt es so viel Leiden in der Welt und wie kann ich ganz persönlich etwas daran ändern? Was ist eigentlich Karma? Wie kann ich besser mit meinen Emotionen umgehen? Was ist der Geist und wie kann ich Konzentration lernen? Wie erkenne ich einen guten Lehrer, eine gute Lehrerin? Dies sind nur einige wenige Fragen, die im Laufe der Auseinandersetzung mit einem Weg der inneren Weiterentwicklung auftauchen können.

Was für ein Leben habe ich? Was ist Glück und wie kann ich es erlangen? Wie gehe ich mit Verlust und Tod um? Warum gibt es so viel Leiden in der Welt und wie kann ich ganz persönlich etwas daran ändern? Was ist eigentlich Karma? Wie kann ich besser mit meinen Emotionen umgehen? Was ist der Geist und wie kann ich Konzentration lernen? Wie erkenne ich einen guten Lehrer, eine gute Lehrerin? Dies sind nur einige wenige Fragen, die im Laufe der Auseinandersetzung mit einem Weg der inneren Weiterentwicklung auftauchen können. Diese und andere Inhalte des Buddhismus bauen nicht nur schrittweise aufeinander auf, sie sind untrennbar miteinander verbunden - es ist wie bei einer Kette mit Glocken, die vollständig erklingt, sobald man sie auch nur an einer Stelle bewegt (S.E. Dagyab Rinpoche). Der Stufenweg ist also nicht als bloße Theorie zu verstehen, sondern jedes seiner Themen kann als Praxisanleitung für unser Leben aufgefasst werden. Bei uns selbst und der eigenen Situation beginnend, lernen wir die eigenen Motive und Beweggründe besser kennen und denken darüber nach, wie wir unser menschliches Potential besser entfalten können. Dies führt uns dann dazu, dass wir mehr und mehr Verantwortung übernehmen und erkennen, wie wir mit anderen Menschen und Tieren, aus unserem Umfeld und darüber hinaus, verbunden sind. Wir wollen sie in unser Streben nach Glück miteinbeziehen. Letztlich ersehnen ja alle Lebewesen das gleiche, nämlich Glück zu erlangen und Leiden zu vermeiden. So weiten wir unser Denken fast unmerklich aus und bekommen eine Ahnung davon, dass die geistige Entwicklung unbegrenzt ist.

Programmbeschreibung

Dieses dreijährige Studienprogramm, das sich am Lamrim Chenmo von Je Tsongkhapa orientiert, führt uns Schritt für Schritt in das buddhistische Denken ein und ist dabei niemals theoretisch abgehoben oder lebensfern. In einer freundlichen, oftmals heiteren Atmosphäre des gemeinsamen Lernens und Übens, anhand von Vorträgen, Meditationen und Diskussionen, kann man seine Wissbegierde mit anderen teilen und den Horizont erweitern. Im Verlauf der insgesamt etwa 20 Wochenendseminare wird man mehr und mehr zum Experten für den Geist und seine Bewegungen. Innerlich zur Ruhe zu kommen und geistige Stabilität zu erlangen sind weitere Zielsetzungen des Studienprogramms. Daher sind eingerichtete und vertiefend-analytische meditative Übungen wichtige Komponenten. Ein besonderes Highlight sind die einwöchigen Klausuren, die am Ende eines jeden Studienjahres im etwa eine Stunde südöstlich von Frankfurt, im idyllischen Spessart, gelegenen Retreathaus Berghof stattfinden. Diese Retreats bieten Gelegenheit, die erlernten Inhalte noch einmal tiefer zu ergründen und den Abstand vom Alltag zu genießen.

Achtung: kostenlose Info-Abende zum Studienprogramm: am Freitag, dem 13. Januar und Freitag, dem 2. Juni 2017; jeweils 19 bis 21 Uhr im Tibethaus

Beginn des Studienprogramms: 2./3. September 2017

Termine:

2017: 2./3.Sep.; 18./19. Nov.;
2018: 20./21.Jan.; 10./11. Mär.; 21./22. Apr.; 2./3. Jun.; 1./2. Sep.; 13./14. Okt.; 15./16. Dez.;
2019: 26./27. Jan.; 9./10. Mär.; 4./5. Mai; 15./16. Jun.; 7./8. Sep.; 16./17. Nov.;
2020: 18./19. Jan.; 7./8. Mär.; 9./10.Mai; 27./28. Jun.;
Klausuren: 21.-27. Jul. 2018; 20.-26. Jul. 2019; 18.-24. Jul. 2020
(Änderungen aus dringenden Gründen vorbehalten)

Seminarzeiten | Samstag: 10-13 Uhr und 15-18.30 Uhr | Sonntag: 9.30 bis 13 Uhr

Studienmaterialien | Studienordner mit Texten und pro Wochenende eine CD mit den MP3-Dateien.

Kosten | Mitglieder 75 Euro pro Wochenende | Nichtmitglieder 95 Euro pro Wochenende

Ermäßigungen | Studentinnen/Studenten erhalten 20% Ermäßigung pro Wochenende. Verheiratete/Lebenspartner erhalten bei gemeinsamer Anmeldung jeweils eine Ermäßigung von 10 Euro pro Wochenende. Oder auf gesonderte Nachfrage.

Auch als Fernstudium möglich.

Die Teilnahme verlängert sich bei den ersten beiden Studienjahren automatisch für das kommende, wenn man nicht vier Wochen vor Ablauf des jeweiligen Jahres seinen Vertrag kündigt.

PDF des Vertrages

Anmeldung und Infos unter: info(at)tibethaus(dot)com

Unterrichtender Lehrer und Referenten

Ehrw. Shenphen Rinpoche

Ehrw. Shenphen Rinpoche, der tibetische Resident-Lehrer des Tibethauses, wird die Unterweisungen zum Stufenweg -Lamrim - geben. 1975 in Osttibet geboren, ist Rinpoche ein umfassend ausgebildeter Lama der jüngeren Generation, der ein mehr als 20-jähriges Studium aller Wissensgebiete der buddhistischen Philosophie nach alter Tradition im Kloster Ratö, Südindien, absolviert und mit dem höchsten Titel Geshe Lharampa (ähnlich wie Doktortitel) abgeschlossen hat. Rinpoche ist ein sehr warmherziger und bescheidener Mensch, der offen und interessiert am westlichen Leben in Frankfurt teilhat. Er lehrt in seiner tibetischen Muttersprache und wird ins Deutsche übersetzt. In der persönlichen Kommunikation bedient er sich mehr und mehr der englischen Sprache.

Dharma-Tutorinnen und Tutoren des Tibethauses

Unter der Leitung und Betreuung von S. E. Dagyab Kyabgön Rinpoche, dem Begründer und spirituellen Leiter des Tibethauses, wurden im Verlauf von über 30 Jahren eine Reihe langjähriger Schülerinnen und Schülern ausgebildet, die als Dharma-Tutoren dabei helfen, die Inhalte und Methoden der buddhistischen Lehre in einer an das westliche Leben angepassten Art und Weise zu unterrichten und anzuleiten. Im Rahmen des Studienprogramms werden sie die Brücke zu den Fragestellungen unseres westlichen Alltags und Denkens schlagen, Meditationen und Diskussionen leiten und als Ansprechpartner stets zur Verfügung stehen.

Dharma-Tutoren des Tibethauses

Inhalte der Wochenenden im Einzelnen:

Erstes Jahr

1. Wochenende

Einführung
Dieses Wochenende ist der Einführung in die Kernaussagen des Buddhismus (den Vier Edlen Wahrheiten), den Grundlagen der Meditationspraxis und dem Stufenweg im Überblick gewidmet.

2. Wochenende

Ein kostbares menschliches Leben und Buddha-Natur
Als Menschen haben wir eine besonders kostbare Gelegenheit uns selbst weiterzuentwickeln und zu lernen. Wie können wir unser Leben sinnvoll nutzen und das eigene Potential (die eigene Buddha-Natur) zur vollen Reife bringen?

3. Wochenende

Die Lehrer-Schüler-Beziehung
Die Lehrer-Schüler-Beziehung spielt im Buddhismus eine sehr wichtige Rolle. Selbst für das Erlernen gewöhnlicher Fähigkeiten benötigen wir die Anleitung einer erfahrenen Person. Um wie viel mehr, wenn wir die anspruchsvolle buddhistische Praxis erlernen wollen. Wie entsteht und was geschieht in einer funktionierenden und gesunden Lehrer-Schüler-Beziehung? Wie nehme ich einen Lehrer oder eine Lehrerin richtig an?

4. Wochenende
Unbeständigkeit und Tod
Auch wenn wir alle wissen, dass wir einmal sterben müssen, leben wir häufig so, als ob unsere Lebenszeit unbegrenzt wäre. Wie können wir das Wissen über die Unbeständigkeit zu einer tieferen Erfahrung werden lassen und wie kann diese Erfahrung oder Erkenntnis unsere innere Entwicklung unterstützen?

5. Wochenende
Die sechs Daseinsbereiche - Schwierigkeiten und Leiden im Daseinskreislauf
Wir alle wünschen uns Glück, dennoch tauchen immer wieder unerwünschte und leidvolle Erfahrungen in unserem Leben auf. Das traditionelle Buddhistische Weltbild geht von sechs verschiedenen Daseinsbereichen aus, in denen wir wiedergeboren werden können und die unterschiedlich großes Potential für Glück und Leiden bieten. Sich mit der leidhaften Natur unserer Existenz auseinanderzusetzen ist jedoch kein Grund, den Mut zu verlieren. Ganz im Gegenteil - weil Leiden beendet werden kann, ist die Erkenntnis über Leiden eine wichtige motivierende Kraft für den spirituellen Weg.

6. Wochenende
Karma
Das Gesetz von Ursache und Wirkung (Karma) ist eine essentielle Grundlage für das Verständnis der Lehre des Buddha (Dharma) und die Praxis einer korrekten Ethik. Wie definiert sich Karma und wo gibt es Missverständnisse? Wir sprechen über die vier grundlegenden Eigenschaften von Karma sowie über die sog. 10 unheilsamen Handlungen. Welche Faktoren verstärken angesammeltes positives oder negatives Karma und welche schwächen es ab? Welche Art von Resultaten erfahren wir aufgrund unseres Karmas?

7. Wochenende Zuflucht Die Zufluchtnahme bildet die Basis jeder buddhistischen Praxis. Der Begriff Zuflucht beinhaltet schon, dass wir Schutz vor gewissen Gefahren suchen. Doch wie sehen diese Gefahren aus? Was kann einen schützen und zu wem oder was nehmen wir eigentlich Zuflucht?

Zweites Jahr

1. Wochenende
Ursachen des Leidens

Die Ursachen des Leidens sind nicht außen zu finden, sondern in uns selbst. Unheilsame Geistesfaktoren, die sogenannten geistigen Gifte, motivieren uns zu unheilsamen Handlungen. Diese wiederum führen zu eigenen leidhaften Erfahrungen in der Zukunft. Auf einer anderen Ebene ist das unfreiwillige Kreisen im Daseinskreislauf selbst die Ursache von Leiden.

2. Wochenende
Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens
Die klassische Darstellung des samsarischen Daseinskreislaufs ist das „Rad des Lebens“. In ihm sind die 12 Glieder des Abhängigen Entstehens abgebildet, die uns im Wiedergeburtenkreislauf halten. Wir besprechen die symbolische Bedeutung und den Mechanismus, wie uns diese Glieder von Wiedergeburt zu Wiedergeburt treiben.

3. Wochenende
Entsagung und der Weg zu Befreiung
Wir befinden uns derzeit in einem Zustand der Unfreiheit, genannt „Samsara“ oder wörtlich übersetzt „Sich im Kreis drehen“. In diesem Zustand sind letztendlich alle unsere Erfahrungen leidvoll. Wenn wir das wirklich erkannt haben, entsteht in uns der Wunsch nach „Entsagung“, d.h. nach Befreiung aus dem Kreislauf des Leidens. Was hilft uns, diesen Wunsch aus tiefstem Herzen zu entwickeln? Was müssen wir tun, um uns aus Samsara zu befreien?

4. Wochenende
Entwicklung von Bodhicitta: Gleichsetzen und Austauschen von sich selbst mit anderen
An diesem Wochenende wird die zweite Methode zur Erzeugung von Bodhicitta besprochen, die Shantideva in seinem „Weg eines Bodhisattvas“ erläutert. Basierend auf einer ausgeglichenen Einstellung (Gleichmut) gegenüber allen Lebewesen, werden die Vorteile besprochen, andere mehr wertzuschätzen als sich selbst und die Nachteile, dies nicht zu tun. Dies mündet in der sog. „Meditation über das Nehmen und Geben“ (Tonglen), die wir auch üben werden. Beide Meditationswege für die Erzeugung des Erleuchtungsgeistes lassen sich auch miteinander kombinieren.

5. Wochenende
Entwicklung von Bodhicitta: Die Siebenfache Unterweisung
Bodhicitta (der Erleuchtungsgeist) ist der außerordentlich starke Wunsch, zum Wohle aller Lebewesen, sein eigenes Potential zu entfalten und die vollständige Buddhaschaft zu erlangen. Die Warmherzigkeit und Liebe, die jeder von uns schon jetzt besitzt, sind sozusagen das Miniaturbild von Bodhicitta. Die Siebenfache Unterweisung ist eine von zwei bekannten Methoden, um ausgehend von unserer bereits vorhandenen Warmherzigkeit, in sieben aufeinander folgenden Stufen diese Geisthaltung des Bodhicitta zu kultivieren.

6. Wochenende
Vollkommenheit des Gebens

Wenn man den Weg eines Bodhisattvas (einer Person, die den Erleuchtungsgeist tatsächlich entwickelt hat und in ihrem Denken und Handeln nach Erleuchtung strebt) einschlägt, übt man sich in den sogenannten „sechs Vollkommenheiten“, um den eigenen Geist zur Reife zu bringen. Die erste Vollkommenheit ist die des Gebens. Wir sprechen darüber, was im buddhistischen Kontext unter Geben oder Freigiebigkeit verstanden wird und wie wir uns konkret darin üben.

Drittes Jahr

1. Wochenende
Vollkommenheit der ethischen Disziplin
Beim Thema Karma setzen wir uns mit den Konsequenzen unserer heilsamen und unheilsamen Handlungen auseinander. Ethische Disziplin bedeutet, unheilsamen Handlungen aufzugeben und heilsame Handlungen zu kultivieren. Dabei werden drei Arten der ethischen Disziplin unterschieden: 1. Das Einhalten der Regeln und Gelübde. Sie sollen und können uns vor negativen Handlungen schützen, z.B. indem wir uns vornehmen, niemandem mehr Schaden zuzufügen. Gleichzeitig fördern sie die eigene Praxis und Entwicklung; 2. Das Ansammeln heilsamer Handlungen; 3. Anderen Lebewesen helfen und ihnen Nutzen bringen.

2. Wochenende
Vollkommenheit der Geduld
An diesem Wochenende wird darüber gesprochen, wie sich Geduld im buddhistischen Kontext definiert. Nach dem Lamrim gibt es drei verschiedene Arten von Geduld, die Bodhisattvas auf dem Weg zur Buddhaschaft vervollkommnen müssen.

3. Wochenende
Vollkommenheit der Tatkraft
Der Weg eines Bodhisattvas ist mit vielen Mühen und Schwierigkeiten verbunden. Um uns davon nicht entmutigen zu lassen, müssen wir uns in Tatkraft üben. Es werden drei unterschiedliche Arten von Tatkraft erklärt. Auf welche Weise können wir diese Arten von Tatkraft hervorbringen? Was sind die Vorteile des Entwickelns von Tatkraft?

4. Wochenende
Vollkommenheit der Konzentration (Meditative Versenkung)
Es gibt eine Vielzahl von meditativen Methoden und Techniken: So zum Beispiel die Konzentration auf den Atem oder auf das Bild eines Buddha oder analytische Meditationen über ein bestimmtes Thema des Lamrim. Im Kontext der Vollkommenheit der Konzentration bedeutet Meditation, einen stabilen Geist zu entwickeln, der ohne Aufregung und Trägheit über einen längeren Zeitraum ruhig und klar auf einem Meditationsobjekt verweilen kann. Ein solcher stabiler Geist ist die Grundlage für jede tiefergehende Erkenntnis.

5. und 6. Wochenende
Vollkommenheit der Weisheit I/II

Was bedeutet „Leerheit“ in der buddhistischen Philosophie und wie erlangen wir dadurch Weisheit? Der Unterschied zwischen der Leerheit der Person und der Leerheit der Phänomen wird ebenso erläutert wie die Erkenntnis der Leerheit und wofür sie notwendig ist. Welche Denkkonzepte existieren für die Leerheit und welchen Anteil haben die Phänomene selbst daran? Wir klären, warum Leerheit und Abhängiges Entstehen miteinander Hand in Hand gehen: Wer die Leerheit versteht, versteht Abhängiges Entstehen, versteht das Gesetz von Ursache und Wirkung, versteht Vergänglichkeit usw. – und umgekehrt.