Ausgabe 06.03.2008




Themenübersicht Berichte und Nachrichten:
1. Lobpreis des Abhängigen Entstehens Teil 1 Bericht von A.Herrmann
2. Tibethaus-Mitgliederversammlung
3. "Dharma, subjektiv": der Gastkommentar in der ChöMail

Programm:
4. Cakrasamvara Ermächtigung
5. Einführung in Mahamudra
6. Termine
7. Zitat der Woche

1. Lobpreis des Abhängigen Entstehens Teil 1 
    Eine ausführliche Unterweisung über Leerheit 
    Freitag, 29. bis Sonntag 2. März 2008 | Seminar mit Dayab Rinpoche
    Ein Bericht von A.Herrmann


S.E.IX.Dagyab Kyabgön Rinpoche          © Tamara von Rechenberg



Sowohl der öffentliche Vortrag am Freitag als auch die Unterweisungen am Samstag und Sonntag waren außerordentlich gut besucht. Der bekannte deutsche Dharma-Lehrer Dieter Kratzer, der selbst ein langjähriger Schüler Dagyab Rinpoches ist, eröffnete mit einem Zitat Shantidevas: "Da die Leiden des Fußes von der Hand nicht erfahren werden, warum sollte dann der Fuß durch die Hand vom Leiden bewahrt werden?". Die Abhängigkeit aller Teile untereinander und von einem Ganzen, von einem geschlossenen Weltganzen, hat er uns sehr plausibel dargelegt.

Rinpoche bedankte sich zunächst bei Dieter für den "wunderbaren" und "korrekten" kompakten Auszug bzw. Ausblick auf das Thema des Wochenendes und machte uns klar, dass Leerheit keine erklärbare oder vergleichbare geistige Errungenschaft, sondern eine Erfahrung sei, die alles verwandelt. Es ist möglich, jemandem, der noch nie Milch gesehen oder gekostet hat, sie so zu beschreiben, dass er, falls er ihr einmal begegnet, den Verdacht bekommen könnte, es mit Milch zu tun zu haben. Aber erst wenn er sie geschmeckt hat, sie erfahren hat, weiß er, wovon die Rede war.

Bevor er uns die beiden begleitenden Texte vorstellte, erzählte er aus dem Leben des Autors von "Der Lobpreis des abhängigen Bestehens", Lama Tsongkhapa, in einer sehr anschaulichen Weise. Acht Jahrhunderte wurden so mühelos überbrückt.

Es gibt jetzt auch ein "blaues" Heft! Es scheint das Gelbe Heft (Ein guter Mensch sein) perfekt zu ergänzen! Es handelt sich um eine mündliche Übersetzung von Unterweisungen S. H. XIV. Dalai Lama im Jahre 1991/92 zum Thema Leerheit von Christof Spitz übersetzt und vom Tibethaus transkribiert und formuliert. Rinpoche hat mit größtmöglichem Nachdruck die herausragende Qualität dieser Unterweisungen betont. Wir sollen das täglich studieren, am besten auswendig lernen.

Von den unzähligen Aspekten und Herangehensweisen, die im weiteren Verlauf des Wochenendes den Begriff der Leerheit, d. h. der Leerheit von inhärenter Existenz, also der Negation unabhängiger Existenz der Dinge aus sich selbst heraus, zu beleuchten suchten, möchte ich vor allem einen Gedanken hervorheben: die Erfahrung, die Erkenntnis, sogar schon die Annäherung an die Leerheit ist der beste Hebel, um die Geistesgifte, die konflikterzeugenden Geistesfaktoren auszuhebeln. Es sei nämlich die angenommene Stabilität und Unabhängigkeit der Objekte, die z. B. Anhaftung oder Hass erst ermöglichen.

Die Frage & Antwort - Stunden waren äußerst lebendig, dabei doch sehr diszipliniert und konzentriert. Am Sonntag nahmen 4 Menschen buddhistische Zuflucht. Herzlichen Glückwunsch. Mit Wehmut und Dankbarkeit im Herzen und guten Vorsätzen im Kopf trat ich den Nachhauseweg an.

2. Tibethaus-Mitgliederversammlung

Auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag wurde ein neuer Vorstand gewählt. Die meisten bisherigen Vorstandsmitglieder stellten sich zur Wiederwahl. Beisitzer Carsten Graaf zog sich berufsbedingt zurück. Sein kaufmännisches Know-how und seine Erfahrung in der Vereinsarbeit haben den Vorstand in den vergangenen Jahren sehr bereichert. Wir freuen uns sehr, dass er zugestimmt hat, Mitglied des Tibethaus-Beirats zu werden (http://www.tibethaus.com/beirat.html), und so in besonderer Weise mit uns verbunden bleibt.

Zum neuen Beisitzer wurde Winfried Zinßer gewählt. Der Vorstand setzt sich nun zusammen wie folgt: Simone Hensel (Heidelberg, 1. Vorsitzende), Elke Hessel (Düsseldorf, 2. Vorsitzende), Birgit Justl (Darmstadt, Schatzmeisterin), Gisela Behr (Frankfurt, Beisitzerin), Winfried Zinßer (Frankfurt, Beisitzer).

Das zweite große Thema der Mitgliederversammlung war die finanzielle Entwicklung des Tibethauses. Nachdem im November (Mitgliederversammlung 2007) die Veranstaltungen und anderen Aktivitäten des Vereins ausführlich dargestellt worden waren, gab der Vorstand diesmal eine Übersicht über die Finanzen. Auch im zweiten Jahr (2007) seiner Existenz hatte das Tibethaus planmäßig höhere Kosten als Einnahmen. So wurde - wie in 2006 - auch Vereinsvermögen dafür verwendet, die laufenden Kosten zu decken. In den kommenden zwei Jahren wird es darauf ankommen, diese Lücke sukzessive zu schließen. Auf Grund des großen Zuspruchs, den das Tibethaus erfährt und der sich auch in steigenden Mitgliedszahlen widerspiegelt, sind die Verantwortlichen optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Eine Schwierigkeit ist allerdings, dass das ambitionierte Veranstaltungsprogramm den Tibethaus-Mitarbeitern relativ wenig Zeit lässt, systematisch nach zusätzlichen Einnahmenmöglichkeiten zu forschen. So wurde während der Mitgliederversammlung kurzerhand eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich diesem Thema widmen möchte. Eine zweite AG wird untersuchen, ob und in welchem Rahmen sich ein Benefiz-Konzert für das Tibethaus realisieren ließe. Wer Lust, Zeit und Know-how hat, um in dieser Gruppe mitzuarbeiten, melde sich bitte bei kirsch@tibethaus.com.

Das Protokoll der Mitgliederversammlung wird per Post an alle Mitglieder verschickt werden.

3.  "Dharma, subjektiv": der Gastkommentar in der ChöMail

"Dharma, subjektiv" könnte das Diskussionsforum der ChöMail werden. Unter dieser Überschrift hat künftig jeder ChöMail-Leser / jede ChöMail-Leserin Gelegenheit, seinen / ihren persönlichen Standpunkt zu Themen rund um Buddhismus, Tibet und Dharmapraxis darzustellen. Die Beiträge sollen zur Diskussion einladen.

Heute: Rajo zum Thema "Leerheit"

Dieses Seminar hat mich, der ich doch schon seit einigen Jahren den Buddhismus studiere und auf mich anzuwenden versuche, in gehörige Aufregung versetzt. Warum? Ich habe den Eindruck, dass ich, je mehr ich verstehe, was mit dem Terminus "Leerheit" gemeint ist, zunehmend den Halt verliere, den mir meine bisherige Weltanschauung, die, kurz gesagt, aus möglichst überprüfbaren Konzepten besteht, gegeben hat.

Was habe ich verstanden bzw. was glaube ich verstanden zu haben: das unausweichliche Leiden hat eine Ursache, die aufgehoben werden kann, das ist die gute Nachricht. Allerdings muss man dazu seine gewohnte Sicht auf die Dinge vollkommen aufgeben. Alle Dinge existieren nur als benannte Muster in Bezug auf meine Bedürfnisse und Befürchtungen, mein Gehirn ist ein Weltensimulator, dessen Weltkarte ein Netz von Beziehungen von "Points of Interest" darstellt und die deshalb mit der wirklichen Welt so gut wie nichts zu tun hat.

In Wirklichkeit ist alles total voneinander abhängig; die Ketten von Ursache und Wirkung weben einen unendlichen Teppich in Zeit und Raum, Gott ist ein Webstuhl, so dachte ich bisher - ziemlich kalt - von der Leerheit, ein bischen kurzsichtig, nicht wahr, denn was weiß schon die Kette vom Schuss?

All diese dualistische Philosophie hat mich kein Jota glücklicher gemacht. Der trennende Geist, der Leiden schafft, und der vereinigende, lustbringende, stehen beide in ihrer Dialektik und durch ihre Dialektik unerbittlich unter dem Verdikt des "Unausweichlichen Leidens". Diese Konzepte bieten also keinen Halt, das war eine Illusion, sie verlängern nur das Leiden.

Seltsam, das ich bei dem Gedanken, dass "Selbstlosigkeit" die Lösung sein könnte, wieder das Gefühl habe, Boden unter die Füße zu kriegen. Ich finde, im Deutschen hat dieses Wort einen unerhört positiven Klang. Ich kann kein positiveres finden.a.h.

4. Dienstag, 18. bis Montag 24. März 2008
    Cakrasamvara Ermächtigung der Ghantapa-Tradition mit Körpermandala und
    Kommentarbelehrungen
   Tantrische Ermächtigung und Unterweisung | S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche

Wir sind sehr glücklich, dass S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche uns während des diesjährigen Oster-Kurses eine Ermächtigung in Cakrasamvara der Ghantapa-Tradition mit Köpermandala gewähren wird. Heruka-Cakrasamvara - "Der Herr des Rades der Höchsten Glückseligkeit" - ist eine der wichtigsten Meditationsgottheiten (Yidam) des tibetischen Buddhismus. Cakrasamvara gehört dem Anuttarayoga-Tantra und dem Muttertantra an, aus welchem die Erklärungen zur Verwirklichung des Klaren Lichtes stammen.

Zeit | Dienstag 14 Uhr bis Montag 14 Uhr
Kosten | Mitglieder 180 Euro | Nicht-Mitglieder 300 Euro | zzgl. Unterkunft und Verpflegung
Ort | Kamalashila-Institut in Langenfeld (Eifel)
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an unser Büro.

5. Mittwoch, 26. und Donnerstag, 27. März 2008
    Einführung in Mahamudra
    Seminar l Ringu Tulku Rinpoche

Die Mahamudra-Praxis wird oft als die Essenz der Lehren Buddhas bezeichnet. Die damit eintretende Erkenntnis wird auch als "Erkennen der Natur des Geistes" oder als "Erkennen der Buddhanatur" genannt. In diesem vollkommenen Zustand sind alle dualistischen Geistes-Konzepte überwunden, die dauerhafte Erfahrung einer absoluten Wirklichkeit, gleichbedeutend mit höchster Weisheit tritt ein.Mahamudra wird insbesondere innerhalb der Kagyu-Traditionen gelehrt, steht aber auch in Verbindung mit anderen Überlieferungen, zum Beispiel mit der Lama Chöpa. Um Anmeldung bis zum 14. März wird gebeten.

Zeit | Mittwoch 17 bis 20.30 Uhr l Donnerstag 9.30 bis 18 Uhr
Kosten | Mitglieder 45 Euro | Nicht-Mitglieder 75 Euro
Ort | Tibethaus

6. Termine

  • 09.03.2008 | Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn - MBSR | Übungstag für Fortgeschrittene | Kursleitung: Angelika Wild-Regel |
  • 10.03.2008 | Himalaya - Das Geheimnis der Goldenen Tara | Multivisionsshow | Dieter Glogowski |
  • 18.-24.03.2008 | Cakrasamvara Ermächtigung | Tantrische Ermächtigung und Unterweisung | S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche | Kamalashila-Institut in Langenfeld (Eifel) |
  • 26.-27.03.2008 | Einführung in Mahamudra | Seminar l Ringu Tulku Rinpoche
  • 28.-30.03.2008 | Einführung in Thangka-Malerei III | Workshop | Marian van der Horst |

7. Zitat der Woche

"Um die Welt politisch, ökonomisch und sozial zu verändern, müssen wir den Sinn anders begreifen. Dieser Wandel muss aber im Individuum beginnen; für den einzelnen selbst muss sich der Sinn ändern........"

Dieter Bohm